© GENKIDO / Stefan Pawlitke

Korrekte Einstellung im Budô
Das Glas Wasser und der Besen
(19. März 2017)
(06. August 2017)

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Die Einstellung auf das Detail -  sie ist eine Essenz des Budô.
Im Budô ist die Einstellung sehr wichtig.
Insbesondere als Schüler der seine Einstellung zu seiner allerersten Unterrichtsstunde mitbringt sowie zu jeder darauffolgenden Unterrichtsstunde – auch noch Jahre später. Denn auch Lehrer sind Schüler.

Nicht jeder Tag ist gleich. So ist auch nicht jeder tägliche Gemütszustand gleich. Auch die tägliche Einstellung verändert sich hin und wieder. Wichtig bleibt aber eine sehr grundlegende Einstellung des Schülers. Die Aufmerksamkeit auf das Detail.

Verdeutlicht wird dies in den zahlreichen Beispielen der Gläser voll Wasser. Die zwei Gläser stehen jeweils für das Wissen und Können des Schülers und des Lehrers.
Das Glas des Schülers ist voll. Deshalb kann der Lehrer sein Wissen (Wasser) aus seinem eigenen Glas nicht in das Glas des Schülers füllen. Der Schüler muss zuerst sein Glas leeren. Alles was der Schüler glaubt zu wissen und glaubt was die „Wahrheit“ sei, muss er verwerfen um für das, was der Lehrer geben kann, aufnahmefähig zu sein.

Dieses Beispiel kennen viele, die sich in den Kampfsportarten und Kampfkünsten bewegen und hin und wieder ist es nötig die Erinnerung daran wachzurufen.

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Aus diesem Grund verdeutlichte ich dieses bekannte Beispiel des vollen Wasserglases auf praktisch Art zum Beginn eines Unterrichts. Doch ich ging noch einen Schritt weiter.

Im Trainingsalltag ist auch zu sehen, dass Schüler aufnahmebereit sind aber dann sich selbst im Wege stehen. Dies ist der Fall wenn sie viele andere Interessen verfolgen, die parallel zum Unterricht stattfinden oder verschiedene Konflikte und Individualitäten herumtragen. Wenige können dies regeln. Viele Schüler geraten jedoch während des Unterrichts in verschiedene Probleme, weil Ihr Kopf voll mit diesen und anderen Dingen ist, die nicht in den Unterricht gehören und sie sich so selbst hindern. Darunter leidet nicht nur die Einstellung des Schülers zum Unterricht sondern auch zur Gemeinschaft.

So stand im meinem Beispiel das leere Wasserglas für die Aufnahmefähigkeit des Schülers. Aufnehmend und voll mit klarem Wissen (Wasser) landeten nach und nach verschiedene Utensilien im Glas. Dreck, Papier, Müll, Farbe, Metall, Stoff, … Diese Sachen repräsentierten Dinge wie:

  • Wert auf die eigene Individualität (Ichbezogenheit)
  • Individuelle Interessen vor die der Gemeinschaft stellen
  • Nichtakzeptanz der eigenen Zugehörigkeit zur Gemeinschaft
  • Selbstgerechtes Verhalten innerhalb der Gemeinschaft
  • Nichtakzeptanz von Gemeinschaftsregeln


Das Glas, welches zuvor mit klarem Wasser gefüllt war, wurde zunehmend unreiner und verschmutzter. Zudem lief es irgendwann über, weil die hineingeworfenen Sachen das Wasser (Wissen und Fokus) verdrängten. Ein Symbol für eine Einstellung, die nichts mit Budô zu tun hat, der Gemeinschaft schadet und zudem die Entwicklung des Schülers nicht begünstigt.

Ein weiteres kleines Beispiel für die Einstellung im Training, war das Thema des richtigen Reinigen des Dôjô. An diesem Beispiel wurde deutlich, dass nicht nur die Technik des Fegens wichtig ist um die Trainingsfläche zu reinigen, sondern auch die Einstellung dazu. Eine achtsame Einstellung auf das Detail ist wesentlich für Budô. Beim täglichen Reinigen des Dôjô zeigt sich nicht nur diese, sondern auch die soziale Kompetenz. Denn die Reinigung des Dôjô ist auch die soziale Verantwortung eines jeden.

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Zudem Reinigen wir nicht nur aus Sicherheits- und Hygienegründen. Denn wenn wir ernsthaft und aufmerksam reinigen dann verändert sich unsere Atmung. Sie wird leichter. Die Bewegung wird koordinierter und stärker und das Körperzentrum stabilisiert sich. Ebenso steigt unsere Verantwortung für die Gemeinschaft. Denn uns wird bewusst, dass wir Einfluss auf unsere Umgebung haben. Wir machen den Dreck und sind somit selbst verantwortlich dafür. Somit wandelt sich auch die Einstellung zur Gruppe. Wir reinigen nicht allein für uns sondern auch für die Gemeinschaft. Individualität verliert sich und wird zum Miteinander.

Das Beispiel mit dem Glas voll Wasser und jenes Beispiel mit dem Fegen verdeutlichen die Wichtigkeit auf Details jenseits von Techniken zu achten. Schließlich trainieren wir im Budô mit dem Ziel der Perfektion. Diese ist als dauerhafte Anstrengung und Entwicklung, fokussiert auf das Detail in allen Dingen, zu verstehen. Eine Anstrengung gerichtet auf ein Ziel hin, dass wir nie erreichen werden. Dies Einstellung ist eine Essenz im Budô.

Sp

 

                 GENKIDO

                                             Kampfkunst und Tradition mit Respekt und Hingabe